Demokratie 2.0

By axelwolph

Okay, es reicht. Ich hab die Nase gestrichen voll. Es brennt mir lichterloh unter den Fingernägeln. Warum?

Zu Beginn eine einfache Frage: Was macht man, wenn im Leben etwas offensichtlich nicht mehr funktioniert? Genau, man lässt es entweder bleiben oder man Sucht nach einem neuen Weg. Wenn man das Dasein schätzt und die Erfahrung gemacht hat, dass ein neuer Weg die bessere Lösung eines Problemes ist als die ideenlose Verweigerung, dann bleibt man dem “Lösungssuche-Weg” treu. Ich persönlich mag das Totjammern und Briefaufgeben gar nicht und suche sehr gerne nach neuen Wegen.

Nun also zum Thema dieses kleinen Aufsatzes von heute. In den letzten Tagen und Wochen war die Tagespolitik (national wie auch international) wieder einmal das Hauptthema der sensationsgeilen Medienlandschaft in der wir leben. Ich lese zwar seit mittlerweile acht Jahren keine Tageszeitungen mehr, der achso wichtigen Medienflut entkomme ich aber trotzdem nicht zur Gänze. Manchmal nervt mich das. Meistens ist es mir vollkommen egal. Vor allem Tagespolitik interessiert mich seit meinem Politikwissenschaft-Studienversuch vor knapp zehn Jahren reichlich wenig. Wir leben in einer Demokratie (glücklicherweise), wenn Wahlen anstehen informiere ich mich und wähle dann quasi das “geringere Übel”. That’s it, so far.

Doch nun reichts. Die Demokratie wie wir sie kennen ist eine menschliche Erfindung, die, der gute Wille sei gelobt, die vorangegangenen absoluten Ausartungen der Politik ersetzte und quasi für immer und ewig, so hat es den Anschein, so bleiben soll, wie sie ist. Samt ihren Abweichungen im internationalen Vergleich und Detail. Wofür die Demokratie wirklich steht scheint mir jedoch im Laufe der Zeit wahrlich verloren gegangen zu sein. Okay, wir, das Volk, wählt und bestimmt. Doch was bestimmen wir? Wir bestimmen Parteien. Wir bestimmen politische Gruppen. Unterm Strich, also am Ende des Wahltages, bestimmt die Siegergruppe welche Personen fortan für uns bestimmen werden. Präsidentschaftswahlkäpfe mal ausgenommen. Nur hier wählen wir auch direkt Personen. Schön, was nun?

Ich bin schon seit Jahren ein großer Fan einer weiterentwickelten, frischen Form von Demokratie: Die direkte Demokratie. Was ist das jetzt? Ich meine, dass es schon längst an der Zeit ist, dass das veraltete Demokratie-Modell im lodernden Lagerfeuer unsere Würstel grillen sollte. Ich halte das parteipolitische Theater nicht mehr aus und sehe auch kein Weiterkommen für diesen schrottreifen Karren, der bis über Kopf im Schlammassel feststeckt. Ich dränge auf ein baldiges Umdenken und -setzen für eine “Politik der besten Köpfe”. Wir, also das wählende Volk, sollte bei einer Nationalratswahl, Landtagswahl, Bundestagswahl,… nicht nur ein Kreuzerl für die beliebteste Partei und deren Kopf machen, sondern die einzelnen Rollen innerhalb einer Regierung, sprich die Minister direkt wählen dürfen. “Das geht sich nie aus!” schreien dann meistens sofort die alteingesessenen Zweifler und Parteibuchinhaber. “Das Ergebnis eines solchen Systems wäre eine chronische Paktstellung zwischen den einzelnen Ministerien und Ämter”, behauptet man oft stur. Genau dies glaube ich nicht. Und zwar schlicht und einfach deshalb, weil die gewählten Politiker im Namen des Volkes gewählt wurden und demnach zum verantwortungsvollen Handeln und zur konsequenten Konsens- und Lösungsfindung beauftragt werden. Punktum, fidibum. NUR das gegenwärtige System erlaubt es Politikern sich im Dickicht der Partei zu verstecken. Siehe Klubzwang und Freimaurertum, um nur zwei Abarten der Politikwelt der Gegewart und Nachkriegsvergangenheit zu nennen.

Ich sehe in der direkten Demokratie eine große Chance für die Zukunft. Ja, sie macht mir Hoffnung auf Produktivität und stellt für mich eine wertvolle Demokratie-Grundsinn-Erweiterung dar. Die rote Nelke, das orange Armbanderl, der Schmiss im Gesicht, etc. – all diese (früher waren es Stecknadeln und grausame Sonnenzeichen) Partei-Wiedererkennungs- und Zugehörigkeitssymbole halte ich für letztklassig und seit langer langer Zeit überholt und sinnlos.

Ich bin mir dem revolutionären Gedanken dieser Lösung und dem naheliegenden Scheitern natürlich bewusst, bleibe aber dennoch der guten Hoffnung, dass es auch möglich ist, das bestehende Modell zu reformieren und in die Jetztzeit zu holen.

Ich wünsche mir und meinen Kindern, dass wir eines Tages zur Wahl schreiten, um die besten Köpfe für das Land/Volk zu wählen. Die Zeit schreit meinem Empfinden nach nach persönlicher Kompetenz und nicht nach ödem Parteiendenken. Wir haben ein Umdenken verdient. Wir haben es verdient, nicht mehr mit Führerfiguren samt Parteianhang (der dann ja eh meistens mehrmals pro Leglislaturperiode ausgetauscht wird) gequält werden zu müssen. Wir haben ein Wahlrecht. Oder anders gesagt, wir haben ein Recht zu wählen. Und zwar jene Menschen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Jeder Betrieb, jedes Unternehmen wählt seine Mitarbeiter nach Kompetenz, Willen und Talent. Nur in der Demokratie der Gegenwart und Vergangenheit wählt man eine Placebo-Interessensgemeinschaft, die dann hoffentlich (!) die richtigen Leute für die einzelnen Aufgaben wählen wird.

Was für ein Unsinn!

Was für eine Chance! Wie alles andere im Leben hat auch die Demokratie eine Version 2.0 verdient.

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