“There’s too much noise!” Oder wie Lärm zur Stille führt.

November 30, 2009 by axelwolph

Bevor ich meine kleine Geschichte von heute mit mir und euch teilen möchte, muss ich mich diesmal an einer kleinen Vorgeschichte als Einleitung bedienen.

Bis vor gut drei Jahren litt ich an chronischen Depressionen. Chronisch im Sinne von regelmäßig wiederkehrend, nicht permanent vorhanden. Obwohl, wer weiß, ich tendiere aus heutiger Sicht sogar zur zweiten Variante. Die depressive Stimmung, oder besser gesagt Verstimmung (ich halte den Vergleich mit nem verstimmten, also momentan unbrauchbaren Musikinstrument für ziemlich zutreffend) wahr wohl permanent vorhanden, aber eben nur in unerschiedlichem Ausmaß ausgeprägt. Eigentlich begann diese permanente Überforderung meiner Sinne, vor allem meines Denkens schon im zarten Teenager Alter. Also genau zu jener Zeit, als mein pubertierender Geist erstmals mein “Ich” entdeckte und dieses zu relativieren begann. Über die Jahre wurden die Denkmuster zu tiefenwirksamen Prägungen, die mein Leben sichtlich und kontinuierlich erschwerten. Dass die Grundsteinlegung für diese sukzessive Selbstrelativierung und in weiterer Folge beinahe Selbstzerstörung sicherlich schon als kleines Kind statt fand, sei der Vollständigkeit zuliebe hier auch erwähnt. Meinen Eltern möchte ich hierbei keineswegs Fahrlässigkeit oder fälschliches Verhalten unterstellen – ganz im Gegenteil – ich sehe heute sehr klar ihren Willen und die positive Absicht ihres Handelns. Doch was man selbst als Kind nicht erfahren hat, wird man später auch nicht an seine eigenen Kinder und Lebenspartner weitergeben können, es sei denn, man begibt sich auf die konkrete Suche nach jenen Dingen, die man als Kind haben wollte, aber erst heute finden kann (oder darf). Dazu mehr später.

Doch nochmals kurz zurück zum Rückblick: Eine vom Hausarzt diagnostizierte “endogene” Depression könnte man eben nur mit Antidepressiva heilen, hieß es als ich Maturant und kurz später Zivildiener im Kloster war. “Endogene Depressionen sind vererbt, also ein Fehlhaushalt des Hormonhaushalts, und jene Menschen, die dieses Leid erwischt hat, müssen eben damit Leben lernen.” wurde mir pseudowissenschaftlich indoktriert und vorgepredigt. Da es in meiner Familie eine ausgeprägte Suizid-Vergangenheit gibt, war ich “natürlich” ein klarer Fall. Jedenfalls für den Landarzt vom Dienst, der mich betreute seit ich ein Säugling war.

Soviel zu meiner Genese bis zu jenem Punkt, an dem ich damals in meinem ersten kleinen Studio in Wien saß und den Song “My Ordinary World” schrieb. In mir hatte damals mehr oder weniger autark ein Prozess begonnen. Ein sehr intensiver, oft emotional unerträglicher, bitterer Kampf gegen mein “krankhaftes” Denken und Fühlen. Plötzlich (irgendwann im Winter 2003 muss es gewesen sein) ließ ich all diese Gedanken einfach weg und fühlte einzig und alleine den Moment. Es waren wenige Minuten schier unbeschreiblicher Stille in meinem Kopf. Kein störender Gedanke, der mich vom Jetzt ablenkte. Kein Störgeräusch von innen her. In meiner Brust ein großartiges Gefühl. Weg war der für die Depression symptomatische Druck im Solar Plexus-Bereich. Weg war die Angst. Keine Panik. Kein Stress. Kein “Du sollst, solltest, musst,…….etc.”. Ich saß einfach nur in meinem Studio, auf meinem Schoß hatte ich meine damalige Lieblingsgitarre. Und plötzlich kam mir alles so unbeschreiblich gewöhnlich vor. Einfach, simple, aber sinnvoll, warm, völlig neu und dennoch vollkommen vertraut. Dieses Gewöhnliche war für mich keinesfalls negativ behaftet, sondern unglaublich schön und ja, lebendig. Vor allem fühlte es sich an als einzig und allein meins. Ich bin ich. Ich bin hier. Sonst nichts. Ich schrieb den Song in circa zwanzig Minuten. “Welcome to my ordinary world, the place to be when there’s too much changing. Step inside my ordinary world, once you are in, you will never ever leave it…”

Doch leider blieb ich nicht lange in diesem, auf gut Wienerisch, leiwanden Zustand. Ich trank ein paar Bierchen und entfernte mich sukzessive wieder von meiner “ordinary world”. Und kam lange Zeit nicht wieder dort hin. Am nächsten Morgen quälte ein riesiger, fetter Kater meinen Schädel und ich war nur froh und glücklich nen geilen Song geschrieben zu haben, galt es ja zu dieser Zeit damals noch ganz stark mit meiner Musik etwas “zu erreichen”.

In der Zwischenzeit ist – glücklicherweise – sehr viel geschehen und mein Leben hat sich gerade in den letzten circa drei Jahren sehr stark verändert. Ein Hauptgrund dafür ist sicherlich der Beginn einer äußerst intensiven Auseinandersetzung mit mir, Axel-Dieter Wolph, als Mensch und lebendiges Individuum. Dass dies nicht alleine geht war mir schnell klar. Meine Musik war zwar immer für mich da, auch Freunde und Menschen, die ich liebte. Aber ich fühlte mich zu schwach, um dies alleine zu schaffen. In anderen Worten: Mein Licht war zu schwach, um all die dunklen Orte meines Seins selbst zu beleuchten. Ich brauchte eine zweite Lampe mit eventuell stärkerem Licht. Vor gut zwei Jahren saß ich über Umwege dann plötzlich in den Räumlichkeiten von Dr. Alexander Brem, seineszeichens Doktor der Medizin, Existenzanalytiker und Homöopath. Dies alles sind aber nur Bezeichnungen, die einzig und alleine seine berufliche Tätigkeit bezeichnen. Ich halte ihn für einen sehr erfahrenen, hochsensiblen Menschen mit bemerkenswertem Einfühlvermögen, Geduld und der Fähigkeit, Menschen auf passive aber sehr intensive Art und Weise auf der Reise zu sich selbst zu begleiten. Der Wegweiser bleibt man immer selbst. Wenn man droht zu fallen, dann spannt er ein Netz und fängt einen auf. Wenn man glaubt sich auf sicherem Terrain zu bewegen stößt er einen in die tiefen Abgründe und Tiefen der eigenen Geschichte und des eigenen Leids. Mit der Zeit lernt man somit einen Umgang mit sich selbst. Man beginnt sich dadurch selbst zu verstehen und in weiterer Folge zu begreifen. Man lernt den Zugang zu seiner eigenen “ordinary world”, den Ort der individuellen Präsenz im Hier und Jetzt kennen.

Man kann Dr. Brem somit definitiv als einen spirituellen Lehrer bezeichnen. Davon gibt es da draußen ja sehr viele. Viele sind auch sicher sehr gut. Viele aber auch ganz und gar nicht. Ich hab mich schon vor Jahren mit der Arbeit und den Texten von Osho beschäftigt und fand darin auch wunderbare Antworten auf brennende Fragen. Ein absolutes Highlight ist und bleibt aber auch das Werk von Eckhart Tolle. Er ist selber die tiefen Täler des eigenen Leids durchschritten und hat mit “The Power Of Now” ein faszinierendes Buch geschrieben. Im Dschungel der Esoterik-Selbsthilfe-Bücher wird man dieses Buch wahrscheinlich finden, auch wenn es dort genau nichts verloren hat. Hier geht es um Philosophie der Gegenwart, ja sogar im wahrsten Sinne. Ich meine, dieses Buch sollte jeder einmal gelesen haben.

Während dem Diskurs mit Dr. Brem sind mir immer wieder – interessanterweise – englische Sätze rausgerutscht, die die Situation oder mein Sein sehr gut auf den Punkt trafen. Meistens in Situationen, als mein Denken schon überfordert schien. Wahrscheinlich aber genau deshalb. In genau solchen Situationen sind mir auch die meisten Songs “passiert”. Ich habe keinen meiner bisher circa 150 Songs als bewusstes Vorhaben geschrieben. Sie sind mir immer passiert. In genau solchen Situationen. Und in einer Sprache, die mein Hirn mit mir nicht spricht. Das Englische blieb demnach mein Ventil, mein Anker und in Verbindung mit Musik auch mein Lebensretter. Klingt dramatisch. War auch so.

Einer dieser Sätze war eines Tages im Zimmer von Dr. Brem: “There’s too much noise!” Mein Kopf drohte vor Gedanken zu platzen. Wie ein Druckkochtopf der die Erdäpfel in sich zerdrückt. Angst und Panik in der Brust, Herzpochen, ein steifer Nacken und Kopfschmerzen im Hinterkopf. Ein Zustand, den ich nur zu gut kannte. Doch plötzlich sagte ich “There’s too much noise!” Der Vergleich mit Lärm war perfekt. Es war, als würde ich vor einer kaputten, schrillen, ja unfassbar lauten Lautsprecherbox gefesselt sein. Doch das Denken hinderte mich am Denken. So paradox es klingt.  Dann fragte mich Dr. Brem: “Was würden sie am besten tun, wenns so unerträglich laut wird?” Und ich antwortete spontan: “Die Lärmquelle abdrehen”. Dann lachte ich. Atmete tief durch. Die Symptome ließen nach. Sofort sagte meine innere Stimme zu mir “Kann es wirklich so einfach sein?” und ich antwortete, “Ja, shut up and dance!”.

Und somit ist es genau dieser gedankliche Lärm, der mich immer wieder zur inneren Ruhe zurück kommen lässt. Er ist demnach auch nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil, er ist mein Indikator, mein kleiner Helfer. “Noise is my Messenger” könnte man auch sagen. Und Lärm ist gerade in dieser Welt nicht zu meiden. Sei es Lärm von außen oder von innen.

In diesem Sinne: “Shhhhh…!” ;-)

Wie ein Baum.

November 15, 2009 by axelwolph

Die letzten Wochen hatten es in sich.

Zuerst mein streikender Rücken. Konsequenz: “Electric Lagerfeuer” abgesagt, zwei Arwork-Jobs abgegeben, weil zweimal wie ein Käfer am Rücken liegend. Tja, nun ist wieder alles gut und mein Rücken geht aus dieser Krise stärker hervor als zuvor.

Dann das bitterböse und geschmacklose Juristen-Drohungs-Mail vom Management von Nick Lowe, dem Urheber von “(What’s So Funny About) Peace, Love & Understanding”, also jenem Song, den ich anhand von brandneuen Versionen von namhaften bis (noch) unbekannten Künstlern im Rahmen der “first global longterm music campaign against violent human behaviour” propagieren und verbreiten wollte. Alles mit dem Ziel, Geld für Institutionen und Organisationen, die in dieser Mission arbeiten und kämpfen, zu sammeln. Nach nur vier Tagen der Vorbereitungen wurde der anfangs so schnell auf Marschiertempo gekommene Puls gleich wieder zum Schlafpuls retardiert. Sehr gute Leute hätten beim geplanten Verein mitgemacht, auch große namhafte Partner zeigten sich an einer Kooperation bereits interessiert. Dann kam das besagte Mail von Nick Lowe’s Management. Wie aus bitterem Himmel. Der Elan der ersten Tage war spotan verflogen. Viele der bereits eingeweihten Personen reagierten auf die schlechte Nachricht jedoch sehr positiv und versuchten mich als Songwriter und Produzent zu motivieren, selbst den Song für die Kampagne zu schreiben. Und daran bin ich gerade. Es ist etwas am Entstehen in mir. Was und wie wird sich zeigen.
Ich halte die Idee und das Vorhaben nach wie vor für eine großartige und wichtige Sache.

Was nun also unterm Strich übrig bleibt sind etwas gemischte Gefühle. Einerseits sehr schöne und wertvolle persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, Visionen und Ziele, Wege und Schritte. Andererseits Erschütterung und ja, auch Wut und Zorn über gewisse Tendenzen der Menschheit und Welt vor meinen Fenstern. Ich kann nicht glauben, was ich sehe. Ich will nicht sehen, was ich muss. Ich möchte ändern was ich nicht ertragen kann und stehe doch vor offensichtlich unüberwindbaren Wänden. Vielleicht muss man aber über diese Wände aber genau nicht drüber sondern durch? AUGEN AUF UND DURCH! Lautet demnach meine Devise. Stumm, dumm und engstirnig zusehen kann ich nicht. Wir leben um zu handeln! WE LIVE TO ACT! So könnte auch mein Song heißen. Vielleicht. Viel leichter mache ich es mir aber nicht. ;-)

Mein erstes kleines Beispiel trägt den Namen: “Weihnachtswunder”.

Und damit meine ich keinesfalls die Geburt eines vierköpfigen Jesuskindes im mitternächtlichen Sandsturm von Jerusalem, sondern die Massengläubigkeit und der blinde Gehorsam der westlichen Luxus-Staatenbürger (der “Ösi” ist hier im weltweiten Spitzenfeld zu finden) in der Vorweihnachtszeit. Kaum schreiben die ideenlosen, ja endlos stumpfen Massenmedien “Es weihnachtet sehr!” auf ihre sinnlosen Titelblätter, kaum steht irgendwo ein getöteter “Oh Tannebaum”, kaum wird der Raumduft im Einkaufszentrum auf “Zimt für alle!” umgestellt, kaum jingeln die Bells im Kaffeehaus, ja kaum geht dieses abscheuliche katholische Konsumtheater los, schon sind die weihnachtlich geschmacklos verkleideten Einkaufsstraßen und -zentren, ja jeder Punschsaufmarkt landesweit mit Menschen überfüllt. Und am nächsten Tag steht am Titelblatt so etwas wie “Weihnachtsgeschäft läuft großartig an trotz Krise”.

Noch ekelhafter geht es wohl nicht. Der Zenith der Dummheit ist erreicht! Ich werde als Anrainer am Spittelberg die Kotzpfützen heuer photographisch dokumentieren. Inklusive Preisschilder. Beispiel: Punschkotze € 4,50 (ohne Einsatz).

Ein weiteres Beispiel wäre das ganze Theater zum Thema Bildung in diesem Land. Kurzerhand von mir “Redetheater für Ungebildete” genannt. Streikende Che Guevara-Imitate im Audimax hin oder her. Jeder will mal ein Rebell sein. Am besten gleich in der Pubertät. Und wenns ein neunzehnjähriger Publizistik-Student ist, der über die Zukunft der Bildung referiert  – es soll mir recht sein! Aber bitte ladets diese Jungs nicht zu ernsthaften Fernsehdiskussionen zum Thema Bildung ein! BITTE! Grundsätzlich haben sie ja vollkommen Recht, die Studierenden des Landes. Nicht immer im Detail, aber eben grundsätzlich. Was in diesem Land bildungpolitisch seit Jahren aufgeführt wird, gleicht einem Leichentheater am Zentralfriedhof. Anders gesagt: Nur Tote bewegen sich öfter! Obwohl es mittlerweile zahlreiche wunderbare Vorzeigemodelle im Sinne von Talente-Förderung und der Bildung von jungen Menschen unter Respekt und Wertschätzung ihrer Individualität und Chancen gibt (siehe Schweden, Finnland,…), tanzen die österreichischen Politiker noch immer wie Affen ums Feuer und versuchen sich den Schwanz nicht zu verbrennen. Denn der Wähler zählt. Hauptsache es kommt dann ein neuer Oberaffe daher und rappt sich zu den Jungen durch. Mann-oh-Mann. Politiker müssen und sollen vor allem nicht rappen, um die junge Wählerschaft zu erreichen. Sie müssen auch nicht in Krocha-Deutsch referieren können. Es würde reichen, wenn alte Stühle entstaubt werden würden, um Platz für neue Ideen und Lösungen zu bieten. Politik der Gegenwart und Zukunft anstatt Parteibüchl und Gestrigkeit. Das kann ja wohl nicht wahr sein!

Egal, worüber ich jetzt als unstiller Beobachter derzeit weitersprechen möchte: mir graust. Mir ekelt. Ich finde die menschliche Trägheit als eine der größten Gefahren unserer eigenen Gattung. Selbst in der warmen Stube hocken und die Welt vor dem Fenster beim vergammeln zusehen. ABER JA NICHT DEN ARSCH BEWEGEN UND WAS ÄNDERN!

Ich weiß, was ich will. Und zwar ganz genau. Und jeden Tag meiner Existenz werde ich an meinen Visionen arbeiten. Kann deppat lachen wer will. Alte Männlein und Weibchen in der Loge haben wir hierzulande viele. Anpacken tun nur wenige was. Wer in sein eigenes Nest  gekotet hat, lässt so schnell keinen mehr rein. Auch wenn sie schon (aufgrund des Systemes) ihr halbes Leben lang hier verbracht haben. Der Österreicher schreit, zumindest feige vorm Fernseher oder am Häusl mit der Zeitung, laut “Raus mit ihnen!”

Ich sage RAUS AUS EUREN STINKENDEN NESTERN! Raus du fauler Österreicher! Und nicht raus zum Christkindlmarkt Punsch saufen, sondern raus in die Welt, um zu sehen, dass sie nicht bei den Alpen endet.

Solange der engstirnige, mundtote und faule Bestandteil der hiesigen Mentalität (der Ursprung dieser Geisteshaltung sei ja natürlich historisch fundiert – in anderen Worten: die Katastrophe der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts sitzt wie ein Schock in unserem Nacken) am Leben bleibt, ja krampfhaft am Leben erhalten wird, solange wird sich nicht viel ändern, sprich Reformen scheitern und die Trägheit über die Dynamik siegen.

Der Punkt ist: das Leben ist und bleibt ein dynamisches Etwas. Das Herauspicken von momentanen Idealzuständen als fortwährendes Non-Plus-Ultra und Richtbild kann niemals sinnbringend sein. Das Leben ist ein Prozess – es schreitet voran, Tag für Tag, es wandelt und entwickelt sich. Das Leben lebt eben. Wir leben. Leben ist Bewegung. All die Religionen und Systeme haben immer wieder derartige Standbilder als ihre Ideale angeführt und dann alles daran gesetzt, diese am Leben zu halten. Dass dieser konservative Ansatz nicht erfolgreich ist, sieht man – Gott sei Dank ;-) – heute bereits nur zu gut.

Nur wer es versteht sich dieser Dynamik anzupassen, ja anzuschmiegen, wird vorwärts kommen und sehen, wie und was das Leben sein kann.

Eben mehr als das, was es für die meisten ist.

Somit schließe ich für heute meine kleine Geschichte mit nem schönen Bild: Ein Baum sät jährlich tausende bis millionen von Samen, aber nur ganz wenige werden aufgehen. Aber jeder war es wert, gesät worden zu sein.

If you know what I mean.

Demokratie 2.0

October 2, 2009 by axelwolph

Okay, es reicht. Ich hab die Nase gestrichen voll. Es brennt mir lichterloh unter den Fingernägeln. Warum?

Zu Beginn eine einfache Frage: Was macht man, wenn im Leben etwas offensichtlich nicht mehr funktioniert? Genau, man lässt es entweder bleiben oder man Sucht nach einem neuen Weg. Wenn man das Dasein schätzt und die Erfahrung gemacht hat, dass ein neuer Weg die bessere Lösung eines Problemes ist als die ideenlose Verweigerung, dann bleibt man dem “Lösungssuche-Weg” treu. Ich persönlich mag das Totjammern und Briefaufgeben gar nicht und suche sehr gerne nach neuen Wegen.

Nun also zum Thema dieses kleinen Aufsatzes von heute. In den letzten Tagen und Wochen war die Tagespolitik (national wie auch international) wieder einmal das Hauptthema der sensationsgeilen Medienlandschaft in der wir leben. Ich lese zwar seit mittlerweile acht Jahren keine Tageszeitungen mehr, der achso wichtigen Medienflut entkomme ich aber trotzdem nicht zur Gänze. Manchmal nervt mich das. Meistens ist es mir vollkommen egal. Vor allem Tagespolitik interessiert mich seit meinem Politikwissenschaft-Studienversuch vor knapp zehn Jahren reichlich wenig. Wir leben in einer Demokratie (glücklicherweise), wenn Wahlen anstehen informiere ich mich und wähle dann quasi das “geringere Übel”. That’s it, so far.

Doch nun reichts. Die Demokratie wie wir sie kennen ist eine menschliche Erfindung, die, der gute Wille sei gelobt, die vorangegangenen absoluten Ausartungen der Politik ersetzte und quasi für immer und ewig, so hat es den Anschein, so bleiben soll, wie sie ist. Samt ihren Abweichungen im internationalen Vergleich und Detail. Wofür die Demokratie wirklich steht scheint mir jedoch im Laufe der Zeit wahrlich verloren gegangen zu sein. Okay, wir, das Volk, wählt und bestimmt. Doch was bestimmen wir? Wir bestimmen Parteien. Wir bestimmen politische Gruppen. Unterm Strich, also am Ende des Wahltages, bestimmt die Siegergruppe welche Personen fortan für uns bestimmen werden. Präsidentschaftswahlkäpfe mal ausgenommen. Nur hier wählen wir auch direkt Personen. Schön, was nun?

Ich bin schon seit Jahren ein großer Fan einer weiterentwickelten, frischen Form von Demokratie: Die direkte Demokratie. Was ist das jetzt? Ich meine, dass es schon längst an der Zeit ist, dass das veraltete Demokratie-Modell im lodernden Lagerfeuer unsere Würstel grillen sollte. Ich halte das parteipolitische Theater nicht mehr aus und sehe auch kein Weiterkommen für diesen schrottreifen Karren, der bis über Kopf im Schlammassel feststeckt. Ich dränge auf ein baldiges Umdenken und -setzen für eine “Politik der besten Köpfe”. Wir, also das wählende Volk, sollte bei einer Nationalratswahl, Landtagswahl, Bundestagswahl,… nicht nur ein Kreuzerl für die beliebteste Partei und deren Kopf machen, sondern die einzelnen Rollen innerhalb einer Regierung, sprich die Minister direkt wählen dürfen. “Das geht sich nie aus!” schreien dann meistens sofort die alteingesessenen Zweifler und Parteibuchinhaber. “Das Ergebnis eines solchen Systems wäre eine chronische Paktstellung zwischen den einzelnen Ministerien und Ämter”, behauptet man oft stur. Genau dies glaube ich nicht. Und zwar schlicht und einfach deshalb, weil die gewählten Politiker im Namen des Volkes gewählt wurden und demnach zum verantwortungsvollen Handeln und zur konsequenten Konsens- und Lösungsfindung beauftragt werden. Punktum, fidibum. NUR das gegenwärtige System erlaubt es Politikern sich im Dickicht der Partei zu verstecken. Siehe Klubzwang und Freimaurertum, um nur zwei Abarten der Politikwelt der Gegewart und Nachkriegsvergangenheit zu nennen.

Ich sehe in der direkten Demokratie eine große Chance für die Zukunft. Ja, sie macht mir Hoffnung auf Produktivität und stellt für mich eine wertvolle Demokratie-Grundsinn-Erweiterung dar. Die rote Nelke, das orange Armbanderl, der Schmiss im Gesicht, etc. – all diese (früher waren es Stecknadeln und grausame Sonnenzeichen) Partei-Wiedererkennungs- und Zugehörigkeitssymbole halte ich für letztklassig und seit langer langer Zeit überholt und sinnlos.

Ich bin mir dem revolutionären Gedanken dieser Lösung und dem naheliegenden Scheitern natürlich bewusst, bleibe aber dennoch der guten Hoffnung, dass es auch möglich ist, das bestehende Modell zu reformieren und in die Jetztzeit zu holen.

Ich wünsche mir und meinen Kindern, dass wir eines Tages zur Wahl schreiten, um die besten Köpfe für das Land/Volk zu wählen. Die Zeit schreit meinem Empfinden nach nach persönlicher Kompetenz und nicht nach ödem Parteiendenken. Wir haben ein Umdenken verdient. Wir haben es verdient, nicht mehr mit Führerfiguren samt Parteianhang (der dann ja eh meistens mehrmals pro Leglislaturperiode ausgetauscht wird) gequält werden zu müssen. Wir haben ein Wahlrecht. Oder anders gesagt, wir haben ein Recht zu wählen. Und zwar jene Menschen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen. Jeder Betrieb, jedes Unternehmen wählt seine Mitarbeiter nach Kompetenz, Willen und Talent. Nur in der Demokratie der Gegenwart und Vergangenheit wählt man eine Placebo-Interessensgemeinschaft, die dann hoffentlich (!) die richtigen Leute für die einzelnen Aufgaben wählen wird.

Was für ein Unsinn!

Was für eine Chance! Wie alles andere im Leben hat auch die Demokratie eine Version 2.0 verdient.

Die Traumgeschichte. Oder die Geschichte vom Träumen. Oder so.

September 20, 2009 by axelwolph

Eine Sache möchte ich heute noch zu später Stunde (endlich) niederschreiben.

In den letzten Tagen gings immer wieder mal um die Grenzen des Träumens oder anders gesagt, um die Möglichkeit der grenzenlosen individuellen Vorstellung.

Wunderschön und wertvoll finde ich die Erkenntnis (wer sie schon früher hatte möge herzhaft lachen), dass es genau in diesem Bereich de facto keine Grenzen gibt, außer vielleicht jene, die man sich selbst aufgrund der eigenen Genese setzt. Die Welt, die wir als Kinder unserer Eltern einst als DIE WELT wahrgenommen und automatisch verinnerlicht haben, hat NICHTS mit der Welt in der wir, jeder für sich, heute leben zu tun.

Der Grundstein für persönliche Freiheit und freudsamen Individualismus liegt fest in der Freiheit unseres Denkens verankert. Bei mir persönlich hat diese, vielleicht banale Erkenntnis, etwas gedauert. Zu fest waren die Zügel des kindlichen Daseins, wobei ich hier genau gar nicht einen versteckten Vorwurf in Richtung meiner Eltern sehen möchte. Jeder Mensch versucht, so nehme ich naiv und gutgläubig an, trotz des individuellen Befindens und Handelns, sein Bestes. Dies wirkt sich aber zur Gänze unterschiedlich aus. Auch auf die Abkömmlinge, sprich Kinder der jeweiligen Person. Und genau deshalb sind wir ja da: weil wir alle Kinder von anderen Menschen sind. Klar, es gab und gibt unfassbare Mutationen des menschlichen Seins in der Geschichte. Die Taten und Gesinnungen vieler Einzelner wird sich wohl niemals entschuldigen lassen. Geschweige denn verstehen.

Doch vielleicht bin ich ein unbelehrbarer Lebensbefürworter und Optimist. Ich liebe das Leben und die Möglichkeit erleben zu dürfen. Und genau hier ertürmt sich die Brücke zum Ansatz des freien Denkens.

Ich kenne und erkenne einfach tagtäglich viele und zuviele Menschen, die sich ihre eigenen Grenzen des Möglichen konsequent selber ziehen, streng zu sich selbst, wie sie höchstewahrscheinlich niemals zu einem Mitmenschen sein würden. Obwohl, genau in diesem Punkt gibt es auch sehr traurige Beispiele in der Geschichte und der Gegenwart.

Trotzdem möchte ich daran festhalten und vor allem das Gefühl, welches durch freies Denken in einem ausgelöst wird, in den Vordergrund stellen.

In unserer Vorstellung haben wir alle Möglichkeiten (außer jene, die wir uns eben selbst nehmen), unser Leben zu einem wertvollen Erlebnis zu machen.

Trotz der gefährlichen Grenze zur, von mir verachteten Esoterik, bin ich der Auffassung, dass jeder von uns die Chance auf freies Denken und Handeln verdient hat, denn jeder von uns ist eben nur einmal da. Ausnahmen gibt es bis Dato keine.

Jeder Song von mittlerweile ca. 160 ist meinem freien, grenzenlosen Denken entsprungen. Ich fühlte, dachte und tat. Egal, ob der Song jetzt wem gefallen wird oder nicht. Egal, ob es das schon gab oder nicht. Losgelöst von allem Erdenklichen. Ich träumte von meinen eigenen Kindern, von meinen Alben, von meinen Freunden, vone meiner Liebe, von meinem Leben. Ich schloss die Augen und stellte mir mein Leben vor. Wie ein leiwandes Lied aus meiner Feder. Genau so, wie ich es haben wollte. Und wurde fündig. Immer wieder überrascht von der Leichtigkeit. Im Endeffekt. Alles, was mir schien einen Strich durch die Rechnung meines Lebens zu machen war mein geprägtes Denken.

Nun, zum Schluss meiner Gutenachtgeschichte von heute, bleibt also das “geprägte Denken” gegenüber dem “freien Denen” übrig.

In diesem Bereich bewegen wir uns, zeitlebens. Jeder/jede kann entscheiden, was er/sie will. Jeder/jede kann entscheiden, wie er/sie denken, fühlen und ja, leben will. “It’s all in your hands, day in and day out” meinte ich einst in meinem “Wedding Song”  mit dem treffenden Titel “In Your Hands”.

Dem schließe ich mich an. Und glaube, verstanden zu haben, was ich damals meinte.

Und es kommt ja dennoch anders, als man denkt. Aber die grenzenlose Vorstellung ist ein wunderbarer Wegweiser.

Udo Würgens. Oder wenn ein alter Playboy zu philosophieren beginnt.

August 30, 2009 by axelwolph

Heute früh, am Weg zur morgendlichen Laufrunde, wurde ich um eine gute Stunde meiner Zeit betrogen. Zwar indirekt, aber doch. Wie? Tja, das massentaugliche Format-Hit-Radio hatte den Sänger und “Lebemenschen” Udo Bockelmann alias Jürgens als Frühstücksgast. Trotz meiner hohen Motivation den angesammelten Schwangerschaftsspeck (ja, das gibts!) im Laufschritt wegzutreten, lauschte ich dem Signal des modernen Volksempfängers und blieb tatsächlich bis zum bitteren Ende im Boboauto sitzen.

Lustig fand ich grundsätzlich die Parallele zum derzeitigen Lieblingslied meines größeren Sohnes: “Ich war noch niemals in New York” in der MTV-Unplugged-Version von den Sportfreunden Stiller. Charmant und witzig, wie ich meine. Mit dabei, auch bei dieser Version, der “große” Udo Jürgens. Gestern, inspiriert vom Powerplay meines Sohnes, kaufte ich auf iTunes dann noch ein paar Hits vom Songcontest-Siegerhelden, “Griechischer Wein”, “Siebzehn Jahr, blondes Haar”, usw.

Heute dann also quasi als logische aber rein zufällige Konsequenz des Vortages Udo beim Morgenmahl-Gespräch mit Claudia “Don’t care about my dirty sister!” Stöckl. Anfangs, so ehrlich muss ich sein, waren mir ein paar seiner Aussagen sympathisch, vor allem als es um seine Sichtweise als Atheist ging. Ich würde mich zwar nicht als Atheist als solches bezeichnen, eher als Agnostiker, aber Teile seiner Ausführungen waren klar nachvollziehbar und ja, nicht unwertvoll.

Dann jedoch, je länger das Gespräch dauerte, wurde die Suppe heißer und gegen Ende hin sogar ungenießbar. Als bestes Beispiel möcht ich die Geschichte mit David “Weichei” Beckham nacherzählen. Er, also Udo der Weise, meinte, dass die Männer von heute in seinen Augen Weicheier seien. Früher habe “der Mann” auf seine Karriere gesetzt und nicht seine familiären Ziele in den Vordergrund gestellt. Dass seine jungen männlichen Mitmenschen heutzutage sogar mit in den Kreißsaal gehen, um bei der Geburt eines/ihres Kindes dabei zu sein und manche sogar als millionteure Fussballprofis auf ihren Einsatz bei nem wichtigen Spiel aufgrund einer Geburt verzichten, brachte er voller zwanghafter Überzeugungskraft als “bestes” Beispiel für die Weicheier von heute. Er selber ist der Meinung, “dass ein Mann in einem Kreißsaal nichts verloren hat” und könnte sich ein Beisein bei der Ankunft eines neuen Menschens auch keinesfalls vorstellen, “Es kriegen nunmal Frauen die Kinder.”, fügte er machoesque hinzu. Dass er wahrscheinlich vor Schock umfallen würde gab er dann doch noch zu.

Ich fand dieses Beispiel in bewunderswertem Ausmaß lächerlich und sich selbst entwertend und auflösend. Egal ob man Beckham mag oder nicht, aber er ist einer der teuersten Fußballer der Geschichte und hat dennoch Familie und ja, war bei der Geburt dabei. Er hat also eine Parade-Karriere hingelegt und dennoch sitzt er nicht alleine da am Abend, wenn der Tag schlafen geht.

Udo hingegen betonte seine Nähe zu jungen Menschen (u.a. Julian Rachlin, einer meiner besonderen Lieblinge ;-) ), gab zu, dass er siebzehnjährige Mädchen tatsächlich immer noch reizvoll findet (aufgrund der “Ästethik einer erblühenden Knospe ;-) ) und dass er im reifen Alter von bald 75 Jahren (Jahrgang 1934) zwar einsam sei, diese Einsamkeit aber genießt. Jo, eh.

Ein Haufen von Widersprüchen und seltsamen Sichtweisen also. Ein perfektes Beispiel für die männlichen Nachkriegskinder, die Karriere machen durften und auch machten. Nicht umsonst wurde in der Hochblüte des deutschen Schlagers, also Mitte der Siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, der “Playboy”-Begriff erfunden. Gunter Sachs, Roy Black und Konsorten. Udo war (und ist!) ein Parade-Playboy. “Wenn sich mit einer hübschen Jungdame ein Gespräch und vielleicht mehr entwickelt, dann freut und ehrt mich das”, meinte er ehrlich, wie er ist. Dass der seltsame Petzner auf seine Musik steht und daraus Kraft und Energie schöpft (kam als Einspielung zwischendurch) war dann nurmehr der I-Punkt zu nem, ja, wahrlich eindrucksvollen Frühstücksgespräch.

Ich persönlich hab aus diesem Zuhör-Erlebnis auch was gelernt und diese Erkenntnis gleich in einen persönlichen Wunsch umformuliert: Ja, ich möchte alt werden. Ja, ich möchte lange leben. Aber ich möchte mir so lange wie möglich eine gewisse Progressivität und Objektivität zur eigenen Persönlichkeit mitnehmen. Von mir aus bis in den Sarg. Ich meine, persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse mit seinen Mitmenschen teilen ist gut, wertvoll und richtig, diese Philosophie aber dann als Nonplusultra verkaufen möchte ich nie. Dafür hab ich zuviel Respekt vor der Individualität.

Eine Frage.

August 28, 2009 by axelwolph

An Tagen wie heute stellt sich für mich genau eine wesentliche Frage: Wie kann man Glück konservieren?

Die schnelle und unkomplizierte Antwort ist klar folgende: Genieße diese Momente einfach! Nimm sie wahr und fühle sie! Hirn Pause. Herz da.

Aber klar, die Glücksmomente, die man erleben darf, wenn ein neuer (in diesem Falle eigener) Erdensbürger sein “Hello World” trällert, haben keinen hohen Stellenrang, wenn es um grundsätzliche Lebensbetrachtungen und -wahrnehmungen geht. “Kinder kriegen kann ja eh jeder.”, sagt man stumpf. Doch mich interessiert die Frage dahinter. Klar, das Glück und die Freude rund um die Geburt eines eigenen Kindes ist etwas schier unbeschreiblich Schönes. Womöglich unerlaubter Pathos und Romantik hin oder her. Wer es (noch) nicht erfahren hat wird darüber lächeln oder sogar lachen. “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß”, sagt der Laie.

Für mich gab es von Grund auf, also von Beginn an meines bewussten Denkens, einen gewissen Grundsinn des persönlichen Daseins: neues Leben in diese Welt setzen. Sei sie auch noch so schlecht. Das Leben lebt. Und wir sind nur Menschen. Ein Beispiel: Würde ein Baum verstehen, was wir Menschen unter “Leben” verstehen, dann wäre er wahrscheinlich am liebsten eine Sardinen-Büchse geworden.

Mir geht es also um eine ganz andere Frage. Ich lebte 25 Jahre lang mit chronischen Depressionen. Glück war nur in Augenzwinkermanier vorhanden oder wurde als Ausnahme des Unglücks wahrgenommen. Dies alles passierte und geschah aber immer nur in meinem Kopf, gebündelt an die, durch Negativität gebündelten Emotionen wie Angst und Panik, um nur zwei Fassetten der Depression zu nennen.

Ein gewisser Diskurs, auch genannt “Professionelle Existenzanalyse”, hat dann im Alter von “reifen” 27 Jahren das Licht, ja das Spotlight, auf ein anderes, eigentlich schon immer dagewesenes Ich gelenkt. Nämlich auf das Ich ohne der daran gekoppelten Vergangenheit. Ein Mensch ist im Hier und Jetzt ein Ergebnis seiner/ihrer Genese. In anderen Worten: nur weil wir aufgrund der Zeit an sich automatisch älter werden, werden wir nicht weiser oder, ja, besser. Das Alter kommt von alleine. Das Leben passiert. Es liegt in unseren Händen, wie das Leben passiert (abseits von Chaosprinzip und Konsorten).

Nun gut, vor vier Tagen bekam ich von meiner Frau (danke Schatz, diese Geburt kann und werde ich nie vergessen!) einen zweiten Sohnemann geschenkt. Wir hatten diesen Wunsch, nach unserem ersten Sohnemann, schon länger, doch diese Woche ist er wahr geworden. Die Geburt an sich ist für mich, auch heute noch, nicht in Worte zu fassen. Ein Erlebnis, wo die zur Verfügung stehenden Buchstaben und Worte nicht ausreichen. Bei Welten nicht. Der Mensch hat, im Zuge der “Evolution” Buchstaben und Buchstaben-Kombinationen (= Worte) erfunden, um sich die Welt rund um sich zu erklären. Ganze Weltreligionen berfufen sich auf diese Worte. Ich halte davon gar nix. Der menschliche Verstand ist bewundernswert, aber die Buchstaben und Worte, die zur Verfügung stehen, reichen bei Gott (lustige Redewendung!) nicht aus.

So, nun wieder zurück zur eigentlichen Frage. Wie kann man also das Gefühl des Glücks, des frohen und zufriedenen Daseins kaptivieren? Oder anders gefragt: Kann man die Zeit stillstehen lassen? Und weiters: Soll man das können? Soll man das dürfen? Beißt sich hier die Katze in ihren Schweif?

Vielleicht will ich genau keine “wörtliche” Antwort auf diese, ja vielleicht für manche da draußen, primitive Frage. Wahrscheinlich kenn ich die Antwort eh bereits. Wahrscheinlich sogar ziemlich sicher.

Ich werde mit Sicherheit dieses Gefühl samt den daran gekoppelten Erfahrungen in meinem Herzen tragen. Somit ist ein “konservativer” Gedanke präsent. Dies stillt mein Verlangen und Ringen nach einer Antwort.

Ich glaube an das Leben samt seiner Endlichkeit und Nüchternheit. Ich fühle, also bin ich. Mag lachen wer will.

Banalität als Qualität?

July 26, 2009 by axelwolph

Bevors los geht zuerst mal die Fakten ausm Wörterbuch: “Banalität: die; Fadheit, Geistlosigkeit, Selbstverständlichkeit.”

Vor gut zwei Wochen stand im Falter, also der eigentlich anspruchsvollen und Qualität fordernden Wiener Wochen- und Stadtzeitung folgende Kurzrezension zu meinem aktuellen Album “The Weekend Starts On Wednesday” zu lesen (Autor: Gerhard S.):

“Seine Vaterglücksvertonung „Poet with a Punk’s Heart“ ist erst wenige Monate alt, da legt der ehemalige Grunger und Indierocker bereits ein weiteres Soloalbum vor. Der zwischen Wien und Los Angeles pendelnde Linzer Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist – bis auf das Schlagzeug hat der 30-Jährige jeden Ton der CD selbst eingespielt – setzt in den elf Songs auf entspannten Softrock, dessen sonniges Gemüt bisweilen eine Brise Melancholie verpasst bekommt. Ein bisschen gar banal sind die Songtexte ausgefallen. Von wegen: „Everything’s right, nothing’s wrong / I’ve been so weak, but now I’m strong“.”

Erstmals in meiner Karriere und meinem Dasein als Musikant, der Lieder schreibt und diese in Form von Alben veröffentlicht hab ich auf diese, in meinen Augen extrem oberflächliche und qualitätslose CD-Kritik direkt via Email an den Autor Stellung bezogen. Ich brach demnach also erstmals das ungeschriebene Gesetz welches da lautet: “Leg dich nie mit einem Kritiker an!”. In diesem Fall – und weil ich gerade Zeit und Lust hatte – tippte ich ein paar meinungsauthentische Zeilen in mein Apfelbuch und drückte auf senden. Ich beklagte in meinem Mail die Tatsache, dass der liebe Herr Falter-Redakteur vom hohen Ross herab 80% seines Kurztextes aus meinem Pressetext kopierte oder wie wir alle damals im Gymnasium vom Nachbar so abschrieb, dass der Lehrer nichts merken sollte. Den Rest, also jene Zeilen, die seinen Hirnwindungen entstammen sind in hohem Grade oberflächlich, falsch interpretiert und, ja, degradierend weil so veröffentlicht.

Der Dorn in meinen Augen ist das Wort “banal” und das Zitat der ersten Textzeile des Songs “Traffic Jam (On Hoover Dam)”. Im weiteren Email-Diskurs versuchte der Herr Redakteur sein Argument der Banalität meiner Musik mit dem Umstand, eine “perfekt Englisch sprechende Kollegin” vor dem Verfassen seines Textes um ihre Meinung und Rat bezüglich meiner Texte gebeten zu haben. Diese Kollegin betitelte meine Texte als “Gymnasiasten-Englisch” woraufhin für den intellektuellen Füllfederhalter sein Argument bestätigt gewesen war.

Was der liebe Herr, der meine Stellungnahme dann gleich im Falter veröffentlichen wollte, schlicht und einfach nicht verstanden hat, ist genau die Tatsache, dass bei diesem Album komplexe und meiner Meinung nach (und diese Ansicht teilen zum Glück sehr viele da draußen) sehr wertvolle Inhalte mit möglichst einfacher und direkter Wortwahl ihren musikalischen Hafen fanden.

Ich meine, bevor man ein Album und die betreffende Musik nicht versteht, verstehen will oder die Zeit nicht findet, sich damit ernsthaft auseindander zu setzen, dann sollte man lieber gar nix schreiben. Ich weiß, viele da draußen meinen “Hauptsache irgendwas wird geschrieben”, ich halte diese Einstellung aber für einen ziemlichen Unsinn. Das dies auch ganz anders geht sieht man ja an den meisten Rezensionen, die einem als Musikant so ins Haus flattern. Mir gehts eben nicht darum, ob ein Kritiker die Platte lobt oder zerreißt – Geschmäcker und Ansprüche sind und sollen auch verschieden sein. Gut so! Schlecht finde ich, wenn man ein Urteil fällt und dieses dann egal ob mans verstanden hat oder nicht dann, so wie in diesem Fall, degradierend veröffentlicht.

Interessanterweise wurden meine Texte in einer Rezension in den Staaten gerade als “literate” bezeichnet, genau deshalb, weil die Wortwahl eine einfache ist, aber die Bilder, Erfahrungen, Erlebnisse und Ideen dahinter (zusammen mit der Musik) alles andere als banal sind. Ich bin jedenfalls ein Mensch, der gerne lebt und seine Erfahrungen und Gedanken gerne mit Menschen teilt. Mich haben immer schon Texte von John Lennon und Neil Young, um nur zwei Beispiele zu nennen, sehr bewegt und in Folge dessen in meinem eigenen Schaffen inspiriert. Dass die Latte damit hoch liegt ist mir sehr wohl bewusst, aber auch bei den beiden handelt es sich nicht um Götter, sprich übermenschliche Gestalten, sondern um Typen wie du und ich. Sie hatten nur sehr viel Talent in dem was sie taten.

Gerade im Falle Lennon erinnert mich diese Geschichte an ein Erlebnis vor ein paar Jahren im Rahmen einer hochintellektuellen Saufparty in Wien. Ja gerade hier in der Stadt der Melancholie, wie ich sie gerne nenne, scheint ja die Intellektualität die große Schwester des Alkoholismus zu sein. Jedenfalls stand bei dieser Fete ein DJ hinter den Plattenspielern und spielte so Stuff wie Talking Heads, Element Of Crime, New Order, Nick Cave und so weiter. Irgendwann spielte er dann “Jealous Guy” von Bryan Ferry. Die Version des ehemaligen Bandkollegen von Brian Eno gleicht sich musikalisch wie ein Ei dem anderen im Vergleich mit dem großen Original von John Lennon. Etwas lasziver und leicht ironisch, schön, aber eben nicht das Original und wahrlich keine Meisterleistung als Interpretation. Eher ein sehr guter Karaoke-Versuch. Ich dachte, “Hey, kuhl, endlich wahrlich gute Musik!” (wobei ich die anderen Interpreten nicht geringschätzen möchte, vor allem nicht David Byrne…), ging zum DJ-Pult und fragte den Herrn Disc-Jockey “Kannst du auch mal nen Song vom Meister persönlich spielen?” Dann hörte ich folgende legendären Worte: “Lennon ein Meister? Diesen banalen Scheiß kann ich hier nicht auflegen, da hauens mich raus…”, und dann fügte er noch hinzu “Und überhaupt, was bist denn du für ein Komiker, Lennon als Meister zu bezeichnen?!”

Ich war ehrlich gestanden kurz ziemlich aufgebracht, wandte mich aber dann meiner pazifistischen Ader zu und ließ den intellektuellen DJ-Meister weiter werken.

Und wer weiß, womöglich stand genau Gerhard S. damals hinter den Decks und nun gingen wir indirekt und über Umwege in die zweite Runde unseres damaligen Konflikts. Dies ist natürlich eine blinde und nicht zutreffende Annahme, aber inhaltlich erinnerte mich der kurze Emaildiskurs sowie die Rezi an sich an dieses Wiener Erlebnis.

Wenns einem in Wien nicht gut geht, dann gehts einem eben “voi Oasch” oder “dem abkotenden Hinterteil entsprechend”. Dazwischen liegt die Wahrheit. Und die Welt außerhalb von Wien.

“I’m learning to fly, but I ain’t got no wings.” (Tom Petty)

Oh wie banal. ;-)

Drahtseiltango

June 15, 2009 by axelwolph

Nun sitze ich nach vollbrachter Arbeit da im Lieblingslokal, atme Frischluft, rieche den Sommer und stelle fest, dass sich ein Songtitel für mein derzeit sukzessive nebenbei entstehendes erstes deutschsprachiges Album “Geschlossene Lider” sehr gut mit meinen persönlichen Erfahrungen und grundsätzlich allgemein gültigen Existenzfragen verträgt.

Der Titel des noch zu schreibenden Songs heißt schlicht “Drahtseiltango”. Das Wort kam mir vor kurzem in den Sinn – einfach so. Und einfach so schrieb ich es auf meine Liste von möglichen Songtiteln für mein muttersprachliches Vorhaben. Songschreiben ist ja unterm Strich die Gabe zur sinnvollen Kombinatorik von Ideen und Emotionen. Summa summarum nicht mehr.

Nun, eben hier und jetzt fällt mir die Parallele ein und auf zum Thema “Reflexion vs. Paranoia”. Kurz zum Wortstamm:

a) Reflexion: Re|fle|xi|on [f. 10] 1 Zurückwerfen (von Teilchen oder Wellen, z. B. Licht) an Grenzflächen zwischen verschiedenen Medien (z. B. zwischen Luft und Glas) 2 auf die eigenen Handlungen und Gedanken gerichtetes, prüfendes Nachdenken [reflektieren]

b) Paranoia: Pa|ra|noia [f. -; nur Sg.] mit festen Wahnvorstellungen verbundene seelische Störung [<griech. paranoia Wahnsinn“, <para daneben, vorbei“ und noein denken“]

Okay, so hätt ich die beiden Wörter in Erinnerung gehabt – zumindest deren Bedeutung. So klar und deutlich die Trennung nun scheinen möchte, so schmal ist dennoch der Grat zwischen den beiden Welten in der Realität. Ich denke und stelle fest, dass wir (Menschen) alle von Natur aus die Gabe zur Reflexion, ja zur Selbst-Reflexion besitzen. Im Laufe der Zeit schleicht sich aber still, heimlich und unbewusst die Paranoia in unser Denken, sprich wir nehmen unsere Umgebung, unser Umfeld, unser Leben um uns nicht mehr nur wahr, sondern wir interpretieren ständig und automatisch “unsere” Welt gemessen an unseren Erfahrungen und Prägungen. Irgendwann hat dann die Paranoia, also die gefilterte, angepasste, adjustierte und adaptierte Wahrnehmung respektive Täuschung das Ruder in der Hand und lässt der unmittelbaren, freien und ja, echten Wahrnehmung, sprich der Realität keinen Platz mehr.

Die große Schwester der Paranoia ist naturgemäß die Angst. Sie ist die scheinbar gültige Rechtfertigung für das Verweigern der Reflexion. Ich nenne es auch gerne das weiltverbreitete “Ja, aber”-Syndrom. Oder man könnte auch anders beschreiben: Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum. Ja, aber…

Gerade im Zusammenhang mit der Natur hat die Paranoia keine Chance. Sie ist uns Menschen Eigentum. Kein Tier, keine Pflanze, nicht der Wind, das Wasser – was auch immer natürlichen Ursprungs – kommt auf diese absurde Idee. Das Problem ist demnach, dass sich der Mensch mittlerweile nicht mehr als natürliches Produkt betrachtet, ja betrachten und wahrnehmen kann. In anderen Worten: in der menschlichen Selbst-Reflexion kommt die natürliche Komponente unseres Seins gar nicht mehr vor. Unser Verstand trügt. Wir “verstehen” was wir “interpretieren”, aber wir sehen nicht was ist. Die Wahrheit der Emotionen und deren unzählige Vielfalt wurde meist schon zum Zwecke der Konformität in Kindheitsjahren unterschlagen oder einfach nur ignoriert und zur Unterentwicklung gezwungen. Verloren geht all unser emotionales Potential, so meine ich, nur zum Zeitpunkt des Todes. Davor, also zu Lebzeiten, werden wir nur dazu gedrillt, unser Empfinden zu manipulieren und falsch zu interpretieren.

Demnach meine ich im Gegensatz zu Viktor Frankl vor gut 25 Jahren, er sprach damals ja erstmals von der “Volksdepression”, dass die wahre Pandemie der menschlichen Welt die Paranoia samt ihren Brüdern und Schwestern ist.

Mir gefällt im Zuge dessen und im Rahmen der Freiheit der Kunst, dass Bild des Seiltänzers in meinem “Drahtseiltango”, der in schwindelerregender Höhe, ohne Netz und doppeltem Boden, ohne jeglicher Hilfmittel einen lustvollen und leidenschaftlichen Tango zu tanzen beginnt. Er schreitet demnach nicht nur selbstsicher über das Seil, nein, er tanzt, mit dem wissen, dass dies natürlich gefährlich sein könnte – er verlässt sich aber lieber auf seine Intuition, auf seinen natürlichen Instinkt und nicht auf den individuell geschichtlich geprägten Verstand.

Wissen, Intellekt und Erfahrungen sind, wenn dem eigenen Leben dienlich, ja nützlich angewandt, großartige Bausteine des Lebens. Unsere Reflexions-Möglichkeit und -Fähigkeit macht uns zum Menschen.  Doch der Verstand sollte uns nicht um den Verstand bringen und genau dieses Paradoxon scheint mir allgegenwärtig. Dass gerade die intellektuellsten meiner Freunde jene sind, die sogar die Fortpflanzung als Notwendigkeit und Sinn des Lebens in Frage stellen verwundert mich in diesen Zusammenhang nicht. Der Verstand lässt sich auch nicht unmittelbar fortpflanzen, wenn dem so wäre, dann würde eine meiner Kindheitsvorstellungen, nämlich jene, dass Babies bereits mit der/den Sprache/n der Eltern auf die Welt kommen, wahr sein müssen! Jeder neugeborene Mensch ist aber eine neue Chance, ein Neubeginn, ein neues Leben, der Grundstein unseres Seins. Hätten die Menschen im Mittelalter oder wann auch immer in unserer Evoltionsgeschichte dazu geneigt, das Entstehen des Lebens grundsätzlich in Frage zu stellen, dann säßen wir heute nicht hier. Ich denke manchmal, schlicht, weil mich das Faktum hinter dieser Vorstellung so fsaziniert, dass ich heute hier und jetzt sitze, nicht nur, weil meine Eltern und Großeltern und somit naheliegenden Vorfahren daran Schuld sind für meine Existenz, sondern auch irgendein Pärchen, welches zur Zeit der Römer miteinander geschlafen hat. Die zeitliche Distanz der Geschichte zum Jetzt alleine bedeutet nicht, dass wir heute mit den Menschen von damals nichts mehr zu tun haben. Okay, diese Menschen sind tot. Wir hier und heute (noch) nicht.

Und seit jeher tanzen wir alle diesen “Drahtseiltango” zwischen Paranoia und Reflexion tagein, tagaus. Immer wenn die Paranoia um ein vielfaches stärker wird als die Reflexion, droht der Mensch sich selbst auszulöschen – jeder Krieg der Geschichte beruht auf Hirnkonstrukten und paranoidem Gedankengut. Konflikte und der natürliche Kampf ums Überleben sind hier mal ausgenommen. Doch wozu der Mensch mit seinem Verstand  fähig ist, sieht man an der Ergebnissen der Imagination und Kreativität.

Ich meine, jeder neue Mensch ist eine neue Chance – eine neue Chance Liebe zu erfahren und zu geben. Dass dieser Planet eines Tages erloschen sein wird und nichts für den Begriff der Ewigkeit bestimmt ist, sollte uns am Wege zur indiviuellen Freiheit bewusst sein. Wer die Vergänglichkeit als Grund für die Sinnlosigkeit des Lebens anführt wird beim Drahtseiltango wohl bald in die Tiefe stürzen, denn die Paranoia ist ein hungriges, gefräßiges Unwesen und macht vor dem eigenen Dasein wie auch vor anderem Leben keinen Halt.

Zum Schluss noch ein brandaktuelles Beispiel: Ich sitz jetzt da (schon tagelang nicht mehr im Stammlokal am Eck – dort habe ich diesen Beitrag nur begonnen) und bin serh müde. Es fallen mir im wharsten Sinne die Augen zu. Deshalb möcht ich jetzt schlafen gehen und werde dies auch tun. Bis hierhin geht die gesunde, natürlich Reflexion. Die Paranoia könnte genau hier nun einsetzen und sicherlich noch Stunden weitergehen. Die Methodik der Paranoia ist jederzeit kongruent. Es beginnt mit Fragen, möglichst viele in kurzer Zeit. Beispiele zur Situation könnten sein: Warum bist du jetzt müde? Um die Uhrzeit schon so müde? Bist du krank? Hast du was falsch gemacht? Was könnt ich falsch gemacht haben. Und bald darauf kommen parallel zu weiteren Fragen die ersten Antworten dazu. Beipiele: Ja, du bist krank, weil so schwach um die Uhrzeit kann ein Gesunder nicht sein. Das gibts ja nicht! Na, super…

Und so weiter und so fort. Ich mag ins Bett. Kein Lust auf Paranoia.

Viel Spaß beim tanzen!


Was wäre, wenn…

May 8, 2009 by axelwolph

…in unserem Heimatland ein Mann wie Eberhard F. Musikchef des größten Radiosenders wäre?

Diese Frage schwirrt derzeit als Geist durch meinen Geist. Wieso? Ganz einfach:

Was derzeit, ja eigentlich schon seit Längerem hierzulande in der Musikwelt passiert, kann sich DEFINITIV sehen lassen. Und dies behaupte ich nicht aus blindem Musikus-Egoismus, sondern ganz nüchtern als Beobachter unterschiedlicher Musikszenen. In den letzten paar Jahren hab ich immer wieder ein paar Monate im Herkunftsland meiner Lieblingsmusik verbracht. Okay, man könnte annehmen, ich rede jetzt von England (Liverpool!), aber nein, ich spreche klar und deutlich vom Mutterland der Popkultur USA. Was ich dort erfuhr war speziell und tatsächlich sehr interessant.

Noch vor wenigen Jahren hatten wir als Zentraleuropäer keine Chance auch nur irgendwen mit unserer Mucke zu jucken. Austropop mal ausgenommen. Falco sowieso. Vor allem die Engländer und Amerikaner hatten das Ruder in der Hand. Nauna. Sie sprechen von klein auf die Sprache der Popmusik und hatten nen unvergleichbar riesigen Markt vor der Haustür. Damals (sagen wir vor gut acht Jahren) gab es genau einen Weg für Jungmusikanten und Innen: Songs schreiben, im Proberaum aufnehmen, das Demo an Plattenfirmen (vornehmlich Majors) schicken und hoffen, dass man entweder so oder irgendwo auf ner Nachwuchsbühne entdeckt wird.

Wenn dies tatsächlich geschah, dann hatte man den riesen Markt vor der Tür und auch, wenn man nur einen Promilleanteil der Bevölkerung erreichte, so reichte dies für Unterhalt und mehr als nur die Butter aufs Brot.

Auch damals schon war ich musikalisch aktiv und durfte Erfahrungen machen. Ich schrieb Songs, nahm diese im Proberaum auf und siehe da, trotz der ganzen Skespsis (siehe die zu oft gestellte Frage “Wieso singst du englisch?”) liefen meine Songs nicht nur hier im Ösenland, sondern auch auf MTV und VIVA (damals noch Musiksender, die ihrem Namen gerecht wurden). Trotzdem war die Butter am Brot spärlich. Doch Hoffnung bestand und der innere Trieb trieb mich weiter.

Doch nun zu heute. Heute ist nämlich definitiv alles anders. Der Markt vor der Tür ist das Internet und nicht die Läden, die durch physischen Musikvertrieb erreicht werden. Heute kann jeder, wenn er/sie will Mucke machen. Die dazu nötigen Hilfsmittel (sprich Audiogear) kosten nicht mehr die Welt und wenn man ein wenig übt, dann klingts auch bald schon mal nach Musik. Und Perfektion hat der Konsument noch nie verlangt, sondern ehrliche und leiwande Musik. Ich zitiere hierzu gerne das letzte wahrlich funktionierende Beispiel der alten Systematik im Musikbiz mit dem Namen “Grunge”, welches nach dem Prinzip “Bottom up!” funktionierte, sprich gute Musik finden (alte A&R Manager hatten echt noch ein Gefühl für Musik!) und diese mithilfe von Geld und vorhandenen Strukturen fördern. In den USA begann das Umdenken mit den “New Kids On The Block”. Dies war eigentlich die erste gecastete Boyband wmit man versuchte “Bottom down!” zu machen. Sprich auch hier wurde das Geld zum alles bestimmenden Mittel à la “Wir haben Geld und wir wissen was gut ist”. Und in weiterer Folge “Ihr werdet uns schon aus der Hand fressen!” Und, leider taten dies Millionen von Konsumenten und gaben den Majors recht.

Aber nur für kurze Zeit. Ende der Neunziger wurde etwas genauer abgerechnet und mit dem Stärkerwerden des Internets wurde vielen Plattenfirmenbossen klar, dass die Rechnung doch nicht aufgeht. Genauer: die riesigen Marketingbudgets rechneten sich nicht mehr. Sukzessive gingen die Plattenverkäufe zurück und was daraus wurde sehen wir heute.

Genau in diesem Fahrwasser hat sich nun auch hierzulande in der Alpenrepublik eine Szene an jungen MusikantInnen und Acts entwickelt, die sich vor dem internationalen Vergleich nicht fürchten brauchen. “No risk no Fun!” lautet die vielleicht billig wirkende Devise, aber dennoch trägt sie mittlerweile Früchte (sind ja eh gesünder als Butter).

Und nun, trotz etlicher Initiativen für mehr Musik aus Österreich im hiesigen Hitradio (den Award für die Prozentsteigerung von 5 auf 5,5% an Georg S. lasse ich jetzt mal meiner Gesundheit zuliebe weg) ist genau UNSERE Musik in der Warteschlange. Es gilt das Format (welches Format bitte?) zu erfüllen. Und gerade wir begabten MusikantInnen passen meistens leider nicht ins Format. FM4, der Alternativsender, ja eigentlich (laut Eigenaussage der Chefin) Jugendsender des ORF drückt des Öfteren ein Auge zu und generiert Local Heroes. Doch die Reichweite des Hitradios lässt den “Jugendsender” nachwievor alt aussehen.

Aber: da gibts nun einen Mann, der seit vielen Jahren noch immer beim Hitradio tätig ist und weil er ein Netter ist und nen wirklich guten Musikgeschmack hat, darf er mittlerweile zwei Sendungen (leider zu später Uhrzeit) gestalten. Für mich, ja er spielt auch gerne meine Musik, ist es demnach genau KEIN Wunder, dass so viele Menschen seine Sendungen so sehr schätzen. Was wäre also, oder anders formuliert, wie würde also die frische österreichische Musikszene aussehen, wenn Eberhard F. der Musikchef des Hitradios wäre. Jedenfalls bräuchten wir keine hoch schätzenswerten Initiativen wie SOS-Musikland. Gute österreichische Musik würde im Radio laufen. Faktum fidibum.

Und von guter österreichischer Musik gibts mittlerweile sehr viel. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Szene in Los Angeles um genau NICHTS besser ist. Die kochen mittlerweile mit dem selben Wasser. Und unser Wasser ist sogar besser, das weiß ja wohl jeder (gerade jetzt, wo Wien die Stadt mit der höchsten Lebensqualität ist ;-) )) )

Damit ich hier nicht nur von Luftschlössern erzähle ein paar Namen, die ich es wert finde, nun erwähnt zu werden:

I AM CEREALS
BEN MARTIN
BAUCHKLANG
DZIHAN & KAMIEN
TYLER
MADITA
SOAP & SKIN
MARILIES JAGSCH
CLARA LUZIA
ESTEBANS
SON OF THE VELVET RAT
ERNST MOLDEN
WEMAKEMUSIC*
URBS
A LIFE A SONG A CIGARETTE
ANNA F

und noch viele mehr…

Die Szene hier boomt. Es wird Zeit, dass der Wandel der Zeit auch Anklang findet.

Schlusswort: derzeit steht die erste Single “Deeply Mad (About You)” meines neuen Albums “The Weekend Starts On Wednesday” in der Rotation-Warteschlange von Ö3. Eberhard F. spielt in seinen Sendungen meine Musik sehr sehr oft, ob sie nun auch auf Rotation geht und somit noch viele Menschen mehr erreicht obliegt einzig und alleine der Entscheidung von Hr. R. Schräg, oder?

Stress ist das Gift unserer Zeit.

April 28, 2009 by axelwolph

Was sagt das Lexikon zum Thema Stress? Here we go:

Stress [m. 1] 1 anhaltende körperliche (und seelische) Belastung durch Überbeanspruchung oder schädliche Reize, durch nicht ausgetragenen Konflikt verursachter seelischer Druck 2 [Geol.] einseitig gerichteter Druck (bei der Gesteinsumwandlung) [<engl. stress Druck, Gewicht; Belastung“, verkürzt aus distress, <altfrz. estresse Bedrängnis, Unterdrückung“, über vulgärlat. *strictiare beengen“ <lat. strictus eng, stramm, straff“]

“There’s too much noise (in my head)” meinte ich vor Kurzem während einem Meeting mit meinem “Existenzanalytiker”. Was meinte ich damit? Tja, manchmal kommen bei mir die wahren Sätze in meiner geliebten Fremdsprache. Auch dies könnte man analytisch hinterfragen, tue ich jetzt aber mal nicht (aus Zeitgründen). Aber es ist kein Wunder, dass ich als Musiker von “Lärm” spreche, wenn ich “Stress” meine.

Nun etwas zurück in der Zeit. Schon vor ein paar Jahren sagte ich in einem etwas längerem Gespräch mit Freunden, dass Stress das Gift unserer Zeit sei. Damals vor vielen vielen Jahren hatten sie (die Menschen) die Pest, heute haben wir (die Menschen) Stress. Stress ist demnach ein mentales Virus. Unter dem Mikroskop nicht nachweisbar, ja unsichtbar, abstrakt. Aber dennoch schon weitverbreitet und für nahezu Jedermann/-frau spürbar, bekannt und alltäglich. Stress ist bereits eine Pandemie, die Schweinepest kann demnach nur lernen von ihm.

Doch was ist der Sinn hinter dem Stress? Woher kommt er? Warum ist er da? Welche Medizin gibts dagegen? Werden wir ihn jemals wieder los? Ist nicht das “Burnout-Syndrom” eigentlich unser aller Rettung?

Fragen über Fragen. Fakt ist, dass es Stress in unterschiedlichen Prägungen gibt. Ich würde ihn auf die Schnelle mal ihn die klassischen Kleidergrößen “small”, “medium”, “large”, “x-large” und “xx-large” unterteilen. Die Symptome der einzelnen Stufen möcht ich jetzt aber nicht erörtern respektive beschreiben, fest steht jedoch, dass ich sie alle bereits am eigenen Leibe erfahren musste.

Ich bin also vom Stress-Virus befallen. Ich lebe also, wie so viele da draußen, im permanenten Gedankenlärm. Gedankenlärm? Was ist das denn jetzt? Ja, das hab ich mich auch schon oft gefragt. Fakt ist, dass natürlicher Stress, sprich jener, der in Notsituationen auftritt, schon lange nicht mehr das Thema ist. Ja vielleicht ist er vor abermals vielen vergangenen Jahren so entstanden dieser Virus. Doch heute haben wir es mit strengen Mutationen zu tun. Weltverbreitet, überall. Egal ob LA oder Wien. Überall leiden die Menschen unter den selben Symptomen. Kopfschmerzen, Panikattacken, Angst, Verlustängste, Traurigkeit, etc. Und genau hier ist für mich auch die Schnittstelle zur Depression, ja sogar der Frankl’ischen “Massendepression” gegeben.

Schnitt. Großer Schnitt.

Die Frage ist doch eher: Wozu der ganze Stress? Wozu der ganze Lärm? Wer bitte umgibt sich freiwillig mit Lärm? Wer bitte will freiwillig mit Stress leben? Okay, ich nehme frech an, niemand will Stress und Lärm er- und leben. Das Virus “Stress” ist mittlerweile so weit verbreitet, dass wir alle damit leben müssen. Ich denke, das Ertragen des Virus ist die Lebenskunst unserer Zeit. Es geht demnach gar nicht mehr darum, ob wir Stress haben oder nicht, es geht schlicht darum, wie wir damit umgehen. Und dazu gibt es verschiedenste Ansätze. Einer davon sind natürlich Alkohol, Drogen, Exzess, Wahnsinn (das wohl meist verbreiteste Wort im alltäglichen Sprachgebrauch – zumindest in der österreichischen, deutschen Sprache).

Ein anderer Ansatz sind die boomenden, meistens östlichen Entspannungsmethoden, siehe Shiatsu, Reiki, Yoga und wie sie alle heißen. Klar, all diese Methoden und Praktiken sind nett und angenehm, doch das Grundübel der Seuche Stress wird dadurch nur oberflächlich behandelt.

Ich glaube, es geht um das “gesunde Neinsagen”. Niemand von uns sagt “Nein!”, wenn der vielleicht erträgliche Lärm tatsächlich unerträglich wird. Wir überschreiten täglich unsere individuelle Lärmgrenze. Wir denken Gedanken, die wir eigentlich nicht mehr denken möchten, ja vielleicht können, doch das “möchte” unterliegt dem “muss” in unseren Köpfen. Das Ergebnis liegt auf der Hand: ein Sammelsurium von unverarbeitbaren Gedanken bleibt in unseren Köpfen über und lässt uns als Folge emotional glauben, dass wir zu schwach sind für “das alles”. Da wir aber Sklaven der indoktrierten Perfektion sind (siehe Erziehung, Werbung, ja Medien generell, etc…) geben wir nicht nach und “kämpfen” weiter im Strudel nach unten.

Unterm Strich bleibt somit das mentale Virus mit dem Namen “Stress” übrig, überlebt und überlebte somit Generationen. Doch dagegen heißt es für uns Leute von heute anzukämpfen, ja eigentlich davon loszulassen. Gerade der aktuell passierende Zusammenbruch des absoluten Kapitalismus (besser bekannt unter “Krise”) zeigt uns, dass “Stress” nicht das absoulte Glück bringt, das wir alle haben wollen, ja müssen.

Zusatz: Ich persönlich freue mich, dass mir in Zeiten wie diesen, ein Album mit dem passenden Namen “The Weekend Starts On Wednesday” passiert ist. Hinter dieser Musik und diesem Titel steht für mich die Frage: Was wäre, wenn wir das allseits bekannte Wochenendgefühl bereits am Mittwoch in uns hätten? Wie würde dann der Alltag aussehen?

Jedenfalls angenehmer. Und sterben würden wir auch nicht. Jedenfalls nicht am Virus “Stress”.