Die letzten Wochen hatten es in sich.
Zuerst mein streikender Rücken. Konsequenz: “Electric Lagerfeuer” abgesagt, zwei Arwork-Jobs abgegeben, weil zweimal wie ein Käfer am Rücken liegend. Tja, nun ist wieder alles gut und mein Rücken geht aus dieser Krise stärker hervor als zuvor.
Dann das bitterböse und geschmacklose Juristen-Drohungs-Mail vom Management von Nick Lowe, dem Urheber von “(What’s So Funny About) Peace, Love & Understanding”, also jenem Song, den ich anhand von brandneuen Versionen von namhaften bis (noch) unbekannten Künstlern im Rahmen der “first global longterm music campaign against violent human behaviour” propagieren und verbreiten wollte. Alles mit dem Ziel, Geld für Institutionen und Organisationen, die in dieser Mission arbeiten und kämpfen, zu sammeln. Nach nur vier Tagen der Vorbereitungen wurde der anfangs so schnell auf Marschiertempo gekommene Puls gleich wieder zum Schlafpuls retardiert. Sehr gute Leute hätten beim geplanten Verein mitgemacht, auch große namhafte Partner zeigten sich an einer Kooperation bereits interessiert. Dann kam das besagte Mail von Nick Lowe’s Management. Wie aus bitterem Himmel. Der Elan der ersten Tage war spotan verflogen. Viele der bereits eingeweihten Personen reagierten auf die schlechte Nachricht jedoch sehr positiv und versuchten mich als Songwriter und Produzent zu motivieren, selbst den Song für die Kampagne zu schreiben. Und daran bin ich gerade. Es ist etwas am Entstehen in mir. Was und wie wird sich zeigen.
Ich halte die Idee und das Vorhaben nach wie vor für eine großartige und wichtige Sache.
Was nun also unterm Strich übrig bleibt sind etwas gemischte Gefühle. Einerseits sehr schöne und wertvolle persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, Visionen und Ziele, Wege und Schritte. Andererseits Erschütterung und ja, auch Wut und Zorn über gewisse Tendenzen der Menschheit und Welt vor meinen Fenstern. Ich kann nicht glauben, was ich sehe. Ich will nicht sehen, was ich muss. Ich möchte ändern was ich nicht ertragen kann und stehe doch vor offensichtlich unüberwindbaren Wänden. Vielleicht muss man aber über diese Wände aber genau nicht drüber sondern durch? AUGEN AUF UND DURCH! Lautet demnach meine Devise. Stumm, dumm und engstirnig zusehen kann ich nicht. Wir leben um zu handeln! WE LIVE TO ACT! So könnte auch mein Song heißen. Vielleicht. Viel leichter mache ich es mir aber nicht.
Mein erstes kleines Beispiel trägt den Namen: “Weihnachtswunder”.
Und damit meine ich keinesfalls die Geburt eines vierköpfigen Jesuskindes im mitternächtlichen Sandsturm von Jerusalem, sondern die Massengläubigkeit und der blinde Gehorsam der westlichen Luxus-Staatenbürger (der “Ösi” ist hier im weltweiten Spitzenfeld zu finden) in der Vorweihnachtszeit. Kaum schreiben die ideenlosen, ja endlos stumpfen Massenmedien “Es weihnachtet sehr!” auf ihre sinnlosen Titelblätter, kaum steht irgendwo ein getöteter “Oh Tannebaum”, kaum wird der Raumduft im Einkaufszentrum auf “Zimt für alle!” umgestellt, kaum jingeln die Bells im Kaffeehaus, ja kaum geht dieses abscheuliche katholische Konsumtheater los, schon sind die weihnachtlich geschmacklos verkleideten Einkaufsstraßen und -zentren, ja jeder Punschsaufmarkt landesweit mit Menschen überfüllt. Und am nächsten Tag steht am Titelblatt so etwas wie “Weihnachtsgeschäft läuft großartig an trotz Krise”.
Noch ekelhafter geht es wohl nicht. Der Zenith der Dummheit ist erreicht! Ich werde als Anrainer am Spittelberg die Kotzpfützen heuer photographisch dokumentieren. Inklusive Preisschilder. Beispiel: Punschkotze € 4,50 (ohne Einsatz).
Ein weiteres Beispiel wäre das ganze Theater zum Thema Bildung in diesem Land. Kurzerhand von mir “Redetheater für Ungebildete” genannt. Streikende Che Guevara-Imitate im Audimax hin oder her. Jeder will mal ein Rebell sein. Am besten gleich in der Pubertät. Und wenns ein neunzehnjähriger Publizistik-Student ist, der über die Zukunft der Bildung referiert – es soll mir recht sein! Aber bitte ladets diese Jungs nicht zu ernsthaften Fernsehdiskussionen zum Thema Bildung ein! BITTE! Grundsätzlich haben sie ja vollkommen Recht, die Studierenden des Landes. Nicht immer im Detail, aber eben grundsätzlich. Was in diesem Land bildungpolitisch seit Jahren aufgeführt wird, gleicht einem Leichentheater am Zentralfriedhof. Anders gesagt: Nur Tote bewegen sich öfter! Obwohl es mittlerweile zahlreiche wunderbare Vorzeigemodelle im Sinne von Talente-Förderung und der Bildung von jungen Menschen unter Respekt und Wertschätzung ihrer Individualität und Chancen gibt (siehe Schweden, Finnland,…), tanzen die österreichischen Politiker noch immer wie Affen ums Feuer und versuchen sich den Schwanz nicht zu verbrennen. Denn der Wähler zählt. Hauptsache es kommt dann ein neuer Oberaffe daher und rappt sich zu den Jungen durch. Mann-oh-Mann. Politiker müssen und sollen vor allem nicht rappen, um die junge Wählerschaft zu erreichen. Sie müssen auch nicht in Krocha-Deutsch referieren können. Es würde reichen, wenn alte Stühle entstaubt werden würden, um Platz für neue Ideen und Lösungen zu bieten. Politik der Gegenwart und Zukunft anstatt Parteibüchl und Gestrigkeit. Das kann ja wohl nicht wahr sein!
Egal, worüber ich jetzt als unstiller Beobachter derzeit weitersprechen möchte: mir graust. Mir ekelt. Ich finde die menschliche Trägheit als eine der größten Gefahren unserer eigenen Gattung. Selbst in der warmen Stube hocken und die Welt vor dem Fenster beim vergammeln zusehen. ABER JA NICHT DEN ARSCH BEWEGEN UND WAS ÄNDERN!
Ich weiß, was ich will. Und zwar ganz genau. Und jeden Tag meiner Existenz werde ich an meinen Visionen arbeiten. Kann deppat lachen wer will. Alte Männlein und Weibchen in der Loge haben wir hierzulande viele. Anpacken tun nur wenige was. Wer in sein eigenes Nest gekotet hat, lässt so schnell keinen mehr rein. Auch wenn sie schon (aufgrund des Systemes) ihr halbes Leben lang hier verbracht haben. Der Österreicher schreit, zumindest feige vorm Fernseher oder am Häusl mit der Zeitung, laut “Raus mit ihnen!”
Ich sage RAUS AUS EUREN STINKENDEN NESTERN! Raus du fauler Österreicher! Und nicht raus zum Christkindlmarkt Punsch saufen, sondern raus in die Welt, um zu sehen, dass sie nicht bei den Alpen endet.
Solange der engstirnige, mundtote und faule Bestandteil der hiesigen Mentalität (der Ursprung dieser Geisteshaltung sei ja natürlich historisch fundiert – in anderen Worten: die Katastrophe der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts sitzt wie ein Schock in unserem Nacken) am Leben bleibt, ja krampfhaft am Leben erhalten wird, solange wird sich nicht viel ändern, sprich Reformen scheitern und die Trägheit über die Dynamik siegen.
Der Punkt ist: das Leben ist und bleibt ein dynamisches Etwas. Das Herauspicken von momentanen Idealzuständen als fortwährendes Non-Plus-Ultra und Richtbild kann niemals sinnbringend sein. Das Leben ist ein Prozess – es schreitet voran, Tag für Tag, es wandelt und entwickelt sich. Das Leben lebt eben. Wir leben. Leben ist Bewegung. All die Religionen und Systeme haben immer wieder derartige Standbilder als ihre Ideale angeführt und dann alles daran gesetzt, diese am Leben zu halten. Dass dieser konservative Ansatz nicht erfolgreich ist, sieht man – Gott sei Dank
– heute bereits nur zu gut.
Nur wer es versteht sich dieser Dynamik anzupassen, ja anzuschmiegen, wird vorwärts kommen und sehen, wie und was das Leben sein kann.
Eben mehr als das, was es für die meisten ist.
Somit schließe ich für heute meine kleine Geschichte mit nem schönen Bild: Ein Baum sät jährlich tausende bis millionen von Samen, aber nur ganz wenige werden aufgehen. Aber jeder war es wert, gesät worden zu sein.
If you know what I mean.